Die Katastrophe ist da.  Hunderte von Toten, in Israel und jetzt auch im Gaza-Streifen.  Wir sind fassungslos und unendlich traurig. Der Frieden ist so weit weg wie nie zuvor. Wir würden gern mehr dazu sagen, aber es fehlen uns die Worte.

Das waren unsere Worte am 9. Oktober.

Wir haben nachgedacht und beraten. Auf drei Demonstrationen / Kundgebungen haben wir unsere Position bezogen:

Das hat die Bevölkerung von Gaza nicht gewollt! Wir wissen, dass dieser Hass, von dem die Gewalt der Hamas geleitet wurde, nur neuen Hass und Gewalt erzeugt. Israel nimmt nun Rache mit dem Ziel, alle Palästinenser aus dem Gazastreifen zu vertreiben. Dies ist die Stufe 4 unserer Vertreibung: nach 1917, 1947, 1967 jetzt 2023. Und diese Vertreibung ist die Ursache aller Gewalt in diesem Konflikt - seit über 75 Jahren. 

Unsere Stellungnahme:

Amira Hass, Israelin, Jüdin, Tochter von Überlebenden des Holocaust hat einen klaren Blick auf das, was palästinensisches Leben bedeutet:

"In wenigen Tagen erlebten die Israelis das, was die Palästinenser seit Jahrzehnten routinemäßig erleben und immer noch erleben - militärische Übergriffe, Tod, Grausamkeit, getötete Kinder, auf der Straße aufgetürmte Leichen, Belagerung, Angst, Sorge um Angehörige, Gefangenschaft, Ziel von Rache sein, wahlloses tödliches Feuer auf … Soldaten und Zivilisten, eine Position der Unterlegenheit, die Zerstörung von Gebäuden, Störungen der Feiertage oder Feste, Schwäche und Hilflosigkeit angesichts allmächtiger bewaffneter Männer und tiefe Demütigung. Deshalb muss es noch einmal gesagt  werden: Wir haben es euch gesagt. Permanente Unterdrückung und Ungerechtigkeit explodieren unerwartet und an unerwarteten Orten. Blutvergießen kennt keine Grenzen."

Zur Situation im Gazastreifen vor dem 7.10.2023: Der Gazastreifen wurde 1967 von Israel erobert. Seit 2008 sind über 2 Mio. Menschen auf 364 qkm eingesperrt. Strom, Wasser, Lebensmittel, Medikamente kommen nur nach Gaza, wenn Israel es will. 40% der Bevölkerung hungert (UN-Bericht), 70% Jugendarbeitslosigkeit. Ca. 70% der Bevölkerung sind Flüchtlinge und wohnten vor 1948 bzw. vor 1967 dort, wo heute Israel ist. Die Menschen in Gaza wohnen in einem Gefängnis.

Jeder wusste es, Palästinenser warnten davor, die USA wussten es, die EU, Deutschland auch, jeder denkende Mensch weiß, das wird irgendwann explodieren. Jetzt ist es passiert und alle mimen Unschuld. Auch Israel wusste es; dafür gibt es Belege. Mann wollte es, man kalkulierte es ein. Es war der Vorwand für die nächste Vertreibung. Was niemand wusste, wie heftig und grausam die Explosion erfolgen würde.
Die nächste Flüchtlingswelle rollt mit dem Einmarsch der israelischen Armee in den Gazastreifen an: Ägypten oder das Mittelmeer? Wie viel schaffen es nach Europa? Oder lässt Frontex sie mediterran ersaufen? Kommt nach 2015 und 2022 den Ukrainer*Innen jetzt Palästina nach Deutschland - 1 Million Palästinenser?

Zur Situation in den von Israel besetzten Gebieten (Westjordanland): die Gewalt der bewaffneten Siedler mit Morden und Pogromen, begleitet von israelischen Soldaten, entvölkert die Westbank in nie gekannten Tempo. Die Ursache der Gewalt, der israelische Terror und die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung wird von der Welt hingenommen. Und wenn die Menschen der arabischen Welt - nicht ihre Regierungen - sich mit Palästina solidarisch erklären, werden sie als Antisemiten beschimpft.  Die Heuchelei ist das bestimmende Element deutscher Politiker und Medien.

Unser Info-Blatt für die Kundgebung am 20.10.2023 fasst alles zusammen:   2023-Kundgebung-Gaza-V2.pdf